Natur pur?

Es gibt ja Aussagen, die in einer Diskussion den Punkt markieren, an dem sie vorbei ist. Die nennt man dann gerne „Totschlagargumente“. Das bekannteste und von vielen auch am meisten gehasste Totschlagargument ist wohl „Früher haben wir das auch immer so gemacht!“ in allen seinen schrecklichen Varianten.

Wie schön, dass die Menschheit fortschrittlich ist und sich immer wieder mal was neues ausdenkt. Das gute alte „War schon immer so“ hat meinem Gefühl nach starke Konkurrenz bekommen – vom neuen „Das ist doch nicht natürlich!“, gerne vorgetragen in einem mahnend-vorwurfsvollen Ton.

Sorry, aber das ist so richtig gar kein Argument. Im besten Fall killt es die Diskussion, im schlimmsten Fall ist es eine ernsthafte Gefahr für unsere Gesellschaft. Und in jedem Fall ist es hochgradig heuchlerisch.

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Meine Einstellung zum Bedingungslosen Grundeinkommen

Immer wieder passiert es, dass ich einen Artikel lese oder einen Facebook-Post sehe und mir denke: dazu müsstest du eigentlich mal was auf deinem Blog schreiben. Irgendwie bin ich dann aber immer zu faul, mich mal eine Stunde hinzusetzen und einen Beitrag zu schreiben.

Auf Facebook dagegen ergeben sich hin und wieder sehr interessante Diskussionen, in denen ich dann auch gerne mal mehr schreibe. Eine dieser Diskussionen hat sich gestern zum Thema Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) entwickelt, nachdem in den Zeitungen stand, dass es in der Schweiz eventuell demnächst einen Volksentscheid dazu geben wird.

Mit Zustimmung der Beteiligten möchte ich diese jetzt auch hier festhalten, da ich zu diesem Thema sowieso gelegentlich schon etwas schreiben wollte und dem, was ich auf Facebook geschrieben habe, nichts mehr hinzuzufügen habe. Die Namen der beiden anderen habe ich anonymisiert.

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Linksextremistische Straftaten, Teil I: Aussageverweigerung

Ich bin gerade auf einen Artikel zum Rücktritt (bzw. nicht Wiederantritt) von Christopher Lauer als Vorsitzender der Berliner Piratenfraktion gestoßen. Essenz: die Berliner Piraten sind ein chaotischer Haufen. Soweit nichts neues, dass die Berliner Piraten — allen voran Christopher Lauer — ein recht eigenes Völkchen sind, ist bekannt, das wäre den Aufwand nicht wert, darüber zu schreibe.

Etwas später kommt aber ein Absatz, der mir dann doch sehr — ich untertreibe mal — unangenehm aufgefallen ist:

In Polizeikreisen wird die Gefangenenhilfeorganisation als extremistischer Verein gesehen. Ein Ermittler wies darauf hin, dass diejenigen, die sich von der Roten Hilfe vertreten lassen, auf „absolute Linientreue“ eingeschworen werden: So dürften sie keinerlei Aussagen machen, weder als Angeklagte noch als Zeugen. Sie sollen sich demnach in keiner Weise von den Tatvorwürfen distanzieren oder diese dementieren, „sie sollen überhaupt gar keine Aussage machen“, hieß es. Dies sei aufgrund des Zeugnisverweigerungsrechts auch rechtlich möglich, „aber wenn man sich vor Augen führt, dass es hier teilweise um Gewalttaten geht, ist das für uns nicht nachvollziehbar“. Ein Fahnder sagte dem Tagesspiegel: „Wenn ein Politiker in einem Verein Mitglied ist, der im Verfassungsschutzbericht auftaucht, dann finde ich das äußerst bedenklich.“

Es geht im Absatz davor um Oliver Höfinghoff, eins der Fraktionsmitglieder, und seine Unterstützung für die Rote Hilfe. Die „Rote Hilfe e.V.“ ist ein Verein, der sich die Unterstützung von Angeklagten aus dem linken Spektrum auf die Fahnen geschrieben hat.

Und jetzt kommt dieser ungenannte Fahnder und behauptet, das dieser Verein ganz dolle böse und linksextremistisch sei, und dass kein Politiker da Mitglied sein soll. Das darf er gerne tun, das ist Meinungsfreiheit. Und wenn er dann auch noch Argumente liefern würde, dann würde ich ihm vielleicht sogar zustimmen. Aber statt Argumenten kommt das hier:

  1.  Die ermutigen Angeklagte, von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch zu machen !!!11einself!1!!
  2. Die sind im Verfassungsschutzbericht !!!11einself!1!!

Ganz ehrlich, wenn ich sowas lese, kommt mir echt fast das Essen hoch m(

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Nachtrag zum Datenschutz

Ich hatte ja vor zwei Monaten hier schon mal einen Artikel zu Datenschutz und Privatsphäre, in dem ich meine Entscheidung erklärt habe, mein Facebook-Profil weitestgehend öffentlich zu halten. Jetzt möchte ich dazu einen kleinen Nachtrag schreiben, Anlass ist ein kleinerer Disput mit meiner Familie zu diesem Thema.

Generell scheint meine Einstellung zu diesem Thema auch eher undurchsichtig zu sein. Zum einen bin ich entschiedener Gegner und Verweigerer der neuen elektronischen Gesundheitskarte. Außerdem bin ich sehr darauf bedacht, wem ich wozu Zugriff auf meinen Laptop gebe, und Zugriff auf meinen Facebook-Account ist ein No-Go. Auf der anderen Seite habe ich, wie im oben verlinkten Artikel beschrieben, auf Facebook eine weitgehende Öffentlichkeit. Ja was denn nun?

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Im globalen Kindergarten

Wir hier in der Bundesrepublik haben ja das außergewöhnliche Glück, dass es auf unserem Gebiet seit Staatsgründung keinen einzigen Krieg gab, und auch die Einsätze unserer Armee in „Stabilisierungsmissionen“ und „kriegsähnlichen Konflikten“ hält sich ja vergleichsweise in Grenzen.

Nun kann man ja über den Sinn von Kriegen und Armeen im allgemeinen und besonderen trefflich streiten. Was aber denke ich recht klar ist: In unserem Land kann sich wahrscheinlich kaum noch jemand vorstellen, das in absehbarer Zeit die Soldaten von <hier Feindesland einsetzen> bei uns einmarschieren werden.Ich behaupte jetzt einfach mal, dass selbst die Soldaten der Bundeswehr nicht all zu oft daran denken, „zu Hause“ kämpfen zu müssen. Für Deutschland sind Kriege quasi nicht existent, es existieren höchstens „Auslandseinsätze der Bundeswehr“, und die werden als „Verteidigung am Hindukusch“ u.Ä. tituliert.

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