Zur Privatsphäre

Heute Abend hatte ich spontan die Idee, mal nachzuschauen, ob nicht-Facebook-User eigentlich mein Profil sehen können. Können sie nicht, kann man leider auch nicht so einstellen — ja, genau: „leider“. Genau das hätte ich nämlich gerne gemacht. Warum?

Seit einiger Zeit wird ja eine recht Hitzige Debatte über Datenschutz und Privatsphäre geführt, Unternehmen wie Facebook und Google stehen dabei oft im Zentrum der Kritik. Jedes Kind bekommt mittlerweile (hoffentlich) beigebracht, dass man im Internet nicht alles veröffentlichen sollte. Und von allen Seiten wird man angehalten, die von Facebook angebotenen (und teilweise hart erkämpften) Privatsphäre-Einstellungen zu verwenden.

Wenn ich jetzt mein Profil komplett öffentlich machen will, trete ich dann das Engagement für mehr Datenschutz mit Füßen? Gehöre ich etwa zu Post-PrivacySpackeria? Ich meine: Nein. Denn Datenschutz ist keine Verpflichtung der User, sondern die Verpflichtung der Unternehmen, die Privatsphäre selbiger zu achten.

Meine Entscheidung zur weitestgehenden Öffentlichkeit heißt auch nicht, dass ich auf meine Privatsphäre verzichten will — ich lege sogar sehr großen Wert darauf. Das bedeutet aber insbesondere, dass ich es gar nicht dazu kommen lasse, dass etwas daraus überhaupt auf Facebook kommt. Nicht umsonst habe ich zum Beispiel eingestellt, dass ich jede Markierung in Photos und Beiträgen erst absegnen muss. Denn ich möchte die volle Kontrolle darüber behalten, was Facebook und die Welt von mir wissen.

Solange das sichergestellt ist, kann ich für mich persönlich die Privatsphäre bedenkenlos auf „Öffentlich“ stellen. Denn ich bin niemand, der jeden Furz von sich selbst auf Facebook kommentiert, ich nutze es, um meine Meinung auszudrücken und Inhalte zu teilen. Und natürlich zur Kommunikation mit meinen Freunden, aber die findet über private Nachrichten und in geschlossenen Gruppen statt.

Die Öffentlichkeit ist für mich sogar ein wirksamer Selbstschutz: ich weiß, dass alles öffentlich ist, also denke ich (im Gegensatz anscheinend zu einer Vielzahl von Facebook-Usern) dreimal darüber nach, ob ein Posting auch wirklich für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Immer, wenn ich sehe, dass Leute ihre Beziehungskriege auf der Chronik austragen, alle 5 Minuten auf Twitter posten oder mit ihren großartigen Spick-Erfolgen prahlen, kann ich nur den Kopf schütteln.

Abgesehen davon, dass es in der Regel niemanden interessiert, ist das grob fahrlässig, egal wie gut die Datenschutz-Einstellungen auch sein mögen. Denn selbst Facebook kann keinen Menschen daran hindern, über solche Beiträge zu reden, ob online oder offline. Zu allem Überfluss sind solche Dauer-Poster dann auch noch diejenigen, die wahllos jeden in ihren „Freundeskreis“ aufnehmen.

Statt immer auf Facebook zu schimpfen und die neue Chronik für alles Böse in der Datenschutz-Welt verantwortlich zu machen, sollte man lieber in sich gehen und festlegen, was für einen selbst überhaupt privat ist. Und das sollte man im besten Fall einfach aus Facebook rauslassen.

So habe ich schon vor einiger Zeit meine kompletten Kontaktdaten (E-Mail, Handynummer, Adresse, …) auf Facebook öffentlich gemacht. Ich sehe auch nicht, was dagegen spricht: Ich habe einen guten Spam-Filter, ein starkes Mailpasswort, meine Adresse steht sowieso im Telefonbuch und sicher auch in diversen Adresskarteien. Warum sollte ich sie dann Leuten vorbehalten, die mir eine Postkarte schicken wollen?

Die logische Schlussfolgerung aus dieser Überlegung war für mich jetzt, dass genau das selbe auch auf meine sonstigen Beiträge zutrifft. Warum sollte ich meine Ansichten nur meinen Kontakten zugänglich machen? Die meisten Dinge sind zwar für den Rest der Welt mit Sicherheit absolut uninteressant, der Großteil besteht ja immer noch aus trivialsten Dingen. Aber ich habe auch kein Problem damit, wenn jeder meine Posts lesen kann.

Ein klein wenig Optimismus ist natürlich schon dabei, ich setze einfach voraus, dass mir später nicht aus Banalitäten wie dem Besuch im Sutter nach dem Abi ein Strick gedreht wird, aber ich bin sowieso zuversichtlich, dass sich unsere Gesellschaft daran gewöhnen wird, dass immer mehr Dinge öffentlich werden, die vorher zwar auch stattfanden, aber im Verborgenen blieben. Ich denke, in nicht all zu ferner Zukunft werden auch Personalchefs nicht mehr jedes Saufbild auf Facebook als KO-Kriterium sehen (was natürlich nicht heißt, das man die Dinger veröffentlichen sollte.

Einen anderen Maßstab lege ich natürlich bei allem an, was nicht alleine mich betrifft: Meine Photoalben mit Bildern von anderen Personen sind weiterhin nur für Freunde sichtbar, auf Verlangen lösche ich jedes auch jedes Bild.

Im Übrigen sollte sich auch jeder über folgendes Gedanken machen: Facebook kann nicht nur sehen, was man auf seiner Chronik postet, auch persönliche Nachrichten sind für alle Zeiten gespeichert. Und niemand kann garantieren, dass sie nicht durch einen Hack oder schlicht aus Schlampigkeit öffentlich werden — oder auch einfach der Chatpartner sie per Copy&Paste an seine eigene Chronik befördert. Also Gehirn auf Facebook niemals ausschalten!

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