Der Anschein von Wissenschaftlichkeit

Nachdem sich in den letzten Tagen wohl viele derer, die seit Beginn der Diesel-Debatte die Sinnhaftigkeit der gültigen Stickoxid-Grenzwerte in Frage gestellt haben, sich durch die Aktion der über 100 Pneumolog*innen mit Professor Dieter Köhler an der Spitze bestätigt gefühlt haben, bestätigt wiederum dieser Artikel bei ZEIT Online mit seinen Recherchen mein Bauchgefühl: Dass hier (wieder einmal) Wissenschaftler*innen ihren Titel und ihr Renommee dazu verwenden, persönlichen Ansichten einen neutralen Anstrich zu geben. Was mich nicht verwundert, denn eine „Petition“ dieser Art ist ja nicht der übliche Weg in der Wissenschaft eine Sachdiskussion zu führen, zumal wenn es um weltweit anerkannte Einschätzungen geht (wie in diesem konkreten Fall z.B. von der WHO zusammengetragen)

Worauf beruht diese Einschätzung? Weder war Herr Köhler bisher auf dem Fachgebiet wissenschaftlich tätig, dessen Erkenntnisse er nun ablehnt, noch hat er anscheinend bisher neben Talkshows und Petitionen Versuche angestellt, die Wissenschafts-Gemeinschaft mittels der anerkannten Wege, nämlich Veröffentlichungen in Journals mit Peer-Review, von seinen Einschätzungen zu überzeugen. Weiterhin stellt er Vergleiche an, die recht offensichtlich hinken („Raucher fallen ja auch nicht ständig tot um“) oder bringt Argumente gegen Dinge, die so nie jemand behauptet hat (definitive Aussagen zur Kausalität zum Beispiel).

Ich finde diese Entwicklungen gefährlich, denn gerade als Wissenschaftler sollte ihm eigentlich daran gelegen sein, das sowieso schon schwindende Vertrauen vieler in die Wissenschaft nicht noch weiter zu schwächen. Genau das befürchte ich aber, wird dabei herauskommen, wenn Wissenschaftler*innen in der Öffentlichkeit Meinungsbeiträge mit dem Anschein von Wissenschaftlichkeit versehen. Für einen Laien kann dies nur so wirken, als wären wissenschaftliche Erkenntnisse ja sowieso immer in allen Facetten diskutabel, wenn nicht sogar willkürlich. Diese Einstellung in Zeiten von „Fake News“ als beliebtem Totschlag-Argument gegen unliebsame Ergebnisse auch noch durch solche zweifelhaften Aktionen zu befeuern, halte ich für töricht.

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